Was Informatiker über Sauna wissen sollten

Dieser Text wurde im Bulletin of the European Association for Theoretical Computer Science, No. 15, Oktober 1981, in englischer Sprache veröffentlicht. Er stammt von Arto Salomaa, einem der Grandseigneurs der Theoretischen Informatik. Er verfügt nicht nur über eine beeindruckende Leibesfülle, sondern auch einen scharfen Intellekt und einen gesunden Humor, weswegen nicht alle Äußerungen in diesem Artikel furchtbar wörtlich genommen werden sollten.

Ich habe den Text damals (für Studenten) auf deutsch übersetzt und auf meiner treuen IBM-Kugelkopfschreibmaschine getippt. Jetzt (Jan. 2004) habe ich die Seiten wiedergefunden, auf den Scanner gelegt und in eine HTML-Seite verwandelt. Das ist auch für einen Informatiker eine interessante Erfahrung. Zwar tut OmniPage Pro 12.0 einen bemerkenswert guten Job in der Texterkennung (wobei sogar einige meiner zwanzig Jahre alten Typos automagisch korrigiert wurden!), aber was Messy Worst XP dann für einen Schwachsinn produziert, wenn man es auffordert, das Word-Dokument als Webseite zu speichern, spottet jeder Beschreibung. Zum Glück gibt es Emacs, damit kann man den Schrott ziemlich schnell und elegant entsorgen.

Also jetzt zum Text!

Arto Salomaa

Was Informatiker über Sauna wissen sollten

1. Einführung.

Während meiner Reisen zu verschiedenen Universitäten und Konferenzen sind mir immer mehr Fragen über Sauna gestellt worden. Besonders interessiert an Sauna-Kenntnissen waren die vielen Informatiker, die selbst eine Sauna gebaut haben oder bauen. Der Zweck des vorliegenden technischen Berichts ist es, die Grundlagen des Sauna-Wissens vorzustellen. Dieser Bericht ist aus meinen Notizen für ein Buch über Sauna zusammengestellt. (Das Buch selbst wird möglicherweise niemals erscheinen.)

Zugegeben, es gibt viele Bücher über Sauna in Englisch, Deutsch und anderen Sprachen. Obwohl diese Bücher einige korrekte Informationen enthalten, enthal­ten sie doch auch eine Menge Unsinn, der nichts mit Sauna zu tun hat. Es ist nicht sonderlich informativ, sie zu lesen: niemand würde gerne eine Arbeit lesen, in der 50 % der Resultate falsch sind, aber man weiß nicht, welche! Es gibt einige vernünftige Sauna-Bücher in Englisch, die von amerikanischen Finnen geschrieben wurden, aber sogar sie tun gelegentlich Unzumutbares wie z.B. Reklame für sehr schlechte Produkte zu machen.

Auf der anderen Seite gibt es gute Sauna-Bücher in Finnisch, aber so weit ich weiß, ist keins davon in Englisch verfügbar. Außerdem ist die finnische Litera­tur einschließlich des Nationalepos Kalevala reich an Geschichten und Gedichten über Sauna. Das ist auch kein Wunder: schließlich war in Finnland die Zahl der Saunas immer größer als die Zahl der Autos; heute schätzt man 1,2 Millionen Saunas und 1 Million Autos bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen. Eine der besten Sauna-Geschichten hat der finnische Schriftsteller Urho Karhumäki ge­schrieben, der Großvater von Juhani Karhumäki.

2. Definitionen und grundlegende Begriffe.

Per Definitionem ist eine Sauna ein geschlossener Raum, welcher durch einen (im Verhältnis zum Volumen des Raums) genügend großen Ofen beheizt wird, den man kiuas nennt; außerdem enthält der Raum Steine, normalerweise oben auf dem Ofen. Um ein Sauna-Bad zu nehmen, ist es notwendig, daß der Ofen ordentlich geheizt ist und daß man die Möglich­keit hat, Wasser auf die Steine zu schütten.

Im folgenden werden wir die einzelnen Hardwareerfordernisse betrachten, nämlich daß

H1 daß

der Raum geschlossen ist,

H2 daß

der Ofen groß genug ist, um den Raum zu heizen,

H3 daß

auf dem Ofen Steine liegen,

ebenso wie die entsprechenden Software-Erfordernisse, nämlich

S1 daß

der Ofen tatsächlich ordentlich geheizt ist und

S2 daß

der Badende die Möglichkeit hat, Wasser auf die Steine zu schütten.

H1 läßt sich normalerweise erfüllen, indem man die Sauna in einem Zimmer eines Gebäudes unterbringt. Die ältesten Saunas waren jedoch bloße zugedeckte Löcher in der Erde. Diese Ausführung und eine Zelt-Sauna sind auch von der finnischen Armee angewendet worden.

Man braucht nicht eigens zu erwähnen, daß ein Schild "SAUNA" an einem Haus keine Garantie dafür ist, daß sich im Inneren tatsächlich eine Sauna befindet. Untersuchen Sie die Angelegenheit anhand der oben angegebenen Definition! In der Tat hat in einigen Ländern das Wort "Sauna" gewisse andere Bedeutungen.

Wie stets im richtigen Leben, ist die obige Definition mathematisch nicht zu­friedenstellend. Das betrifft besonders H2 und S1. Ich selbst habe zwar nie irgendwelche Grenzfälle angetroffen, aber weiter unten im Abschnitt 7 bringe ich einige Beispiele, wo einige der Erfordernisse offensichtlich nicht erfüllt sind. Wenn Sie jemals einen Grenzfall antreffen, dann sagt das nur, daß der Unterschied zwischen einer sehr guten Nicht-Sauna und einer sehr schlechten Sauna nicht allzu groß ist!

"Sauna" ist ein sehr altes finnisches Wort; deshalb spreche ich auch die ganze Zeit einfach von "einer Sauna" statt von "einer finnischen Sauna". Andererseits möchte ich mich gegen den Gebrauch des Worts "Sauna" im Zusammenhang mit ande­ren Bad-Typen verwahren.

"Löyly" ist das finnische Wort für "Sauna-Hitze". Etwas genauer bezeichnet "löyly" die Hitze, die den Steinen entströmt, wenn man Wasser auf sie gießt. Das wichtigste Zubehör für eine Sauna ist "vihta": ein Bündel weicher, blätte­riger Birkenzweige. Man kann auch andere Bäume benutzen, um vihtas zu machen. In Kalifornien zum Beispiel verwendet man Eukalyptus. Der Leser sollte sich die Wörter "kiuas", "löyly" und "vihta" merken.

3. Klassifizierung von Saunas.

Nachdem wir definiert haben, was eine Sauna ist, diskutieren wir jetzt kurz, was eine Sauna gut oder schlecht macht. Der entscheidende Faktor ist die Qualität der löyly. Meine persönliche Daumenregel ist, daß die löyly wirklich gut ist, wenn der einzige Grund, warum man aus der Sauna herausmöchte, darin liegt, daß man glaubt, die Ohren würden einem verbrennen, aber nicht darin, daß man nicht richtig Luft bekommt oder der Raum verkommen aussieht oder schlecht riecht usf. Mit anderen Worten: der einzige Grund, hinauszuwollen ist, daß es einem zu heiß ist! Die wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen, sind eine gute Durchlüftung und ein genügend großer Ofen (kiuas). Die wird noch in Abschnitt 6 näher ausgeführt.

Man kann gar nicht genug betonen, daß es bei der Beurteilung der Qualität einer Sauna keinen Ersatz für eine gute löyly gibt. Mein üblicher Vergleich dazu ist, daß bei einer Steak-Mahlzeit keine ausgefallenen Gemüse, Getränke usw. darüber hinwegtrösten können, wenn das Steak selbst eine Schuhsohle ist! Sogar in Finnland haben viele "Direktoren-Saunas" üppige Swimming-pools und Bars, während der löyly-Raum selbst ziemlich mittelmäßig ist. Ein reicher amerika­nischer Finne, dessen Sauna ich besichtigt habe, hatte den ausgefallensten Ankleideraum mit kaltem Bier, Whisky, Cognac usw. vom Faß. Das ist alles in Ordnung, aber trotzdem sollte die Qualität einer Sauna nur aufgrund des löyly­Raums beurteilt werden. Anderenfalls beurteilt man keine Saunas mehr, sondern etwas anderes.

Eine von der Qualität unabhängige Klassifizierung erhält man, indem man den Typ des Ofens betrachtet. Der Ofen ist entweder vorgeheizt, was heißt, daß er während des Bades selbst nicht mehr beheizt wird, oder stetig geheizt. Die am meisten verbreiteten Energiequellen sind Holz und elektrischer Strom; Gas und öl werden jedoch auch verwendet. Alle vorgeheizten Öfen, die ich bis jetzt gesehen habe, wurden mit Holz geheizt. Eine Rauchsauna ist eine spezielle Art von vorgeheizter Sauna: Es gibt keinen Kamin, sondern der Rauch entweicht durch Ritzen in den Wänden und im Dach. Die löyly in einer Rauch-Sauna hat einen ganz besonderen samtweichen Akzent. Jeder Sauna-Liebhaber weiß, daß holz­beheizte Saunas eine bessere löyly haben als andere. Das ist übrigens auch -wissenschaftlich überprüft worden. Zum Beispiel hat man nachgewiesen, daß elektrisch beheizte Saunas zu viele schädliche positive Ionen in der Luft produ­zieren. Im allgemeinen sind stetig beheizte Saunas praktischer als vorgeheizte: man braucht vielleicht den ganzen Tag, um eine Rauch-Sauna zu heizen.

4. Wie man ein Sauna-Bad nimmt.

Jede deutsche "Eine kleine Einführung in die Sauna", 600 Seiten, enthält sehr detaillierte Vorschriften, wie man ein Saunabad nimmt. Man stellt die Temperatur zunächst auf 82,5°C ein und setzt sich 6 Minuten lang auf die untere Plattform. Dann geht man hinaus und stellt seine Füße 2,5 Minuten lang in kaltes Wasser. (Ich weiß nicht, woher dieses "Füße-ins-kalte-Wasser" kommt, aber man findet es in der Tat in jedem deutschen Saunabuch. Es würde vernünftiger erscheinen, ganz in kaltes Wasser zu springen.) Dann geht man wieder für 4,5 Minuten hinein, aber diesmal auf die obere Platt­form, nachdem man vorher die Temperatur auf 78,5°C gesenkt hat. Und so weiter.

Ich bin sehr stark gegen solche detaillierten Instruktionen. Man sollte es niemals nötig haben, eine Uhr mitzunehmen. In der Sauna sollte die Zeit still­stehen. Man sollte niemals etwas tun, des einem unbequem vorkommt. Bleiben Sie im löyly-Raum, solange es Ihnen Freude macht. Dann gehen Sie hinaus und kühlen sich ab mit den gerade zur Verfügung stehenden Mitteln: Dusche, See, Schnee oder eben bloß hinausgehen. (In Finnland ist die letzte Alternative für die meiste Zeit des Jahres ausreichend.) Wenn es Ihnen wieder danach ist, in den löyly-Raum zu gehen, dann tun Sie's. Wiederholen Sie den Vorgang, so oft Sie wollen. Ich würde sagen, daß ich unter "normalen Bedingungen", d.h. wenn ich mich in Finnland aufhalte, gewöhnlich 2-3 Sitzungen im löyly-Raum mache; wenn ich allerdings längere Zeit unter "barbarischen Zuständen" ohne Sauna gelebt habe, denn brauche ich vielleicht 6-8 Sitzungen.

Versuchen Sie auch trockene und feuchte Hitze in der Sauna. Ich selbst setze mich für gewöhnlich längere Zeit hin, ohne Wasser auf die Steine zu gießen: das ist die trockene Hitze. Wenn Sie Wasser auf die Steine gießen, wird die Luft feucht und fühlt sich heißer an, obwohl die Hitze nicht ansteigt.

À propos: die Sauna-Hitze, d.h. wie heiß man sich vorkommt, kann man nicht nur durch Grade ausdrücken, selbst dann nicht, wenn man sich auf einen vernünf­tigen Platz einigt, wo das Thermometer aufgehängt wird. In einer elektrisch geheizten Stadt-Sauna kann man bei 120°C frieren, während die volle löyly von 60°C in einer Rauch-Sauna mit einem riesigen kiuas vielleicht zu viel für einen ist. Andererseits kann ein Thermometer, wenn man des Verhalten einer bestimm­ten Sauna kennt, eine gute Hilfe für die Person sein, die die Sauna heizt.

Die Wirkung der Sauna kann noch gesteigert werden, wenn man sich mit einer vihta schlägt. einige Leute behaupten, daß des euch die beste Art ist, Vitamine zu sich zu nehmen. Jedenfalls erzeugt der Gebrauch der vihta meiner Meinung nach erst den typischen Sauna-Geruch. In Finnland ist die beste Zeit, vihtas zu machen, des Juni-Ende (Mittsommer). Ich mache mir gewöhnlich gleich 52 Paar und lasse sie trocknen. Sie können vor Gebrauch in heißem Wasser wiederbelebt werden. Wenn man sie früher macht, sind die Blätter noch zu klein und wenn man sie später macht, denn fallen beim Wiederbeleben die Blätter ab. (Es muß dafür eine natürliche Erklärung in Form von L-Systemen geben!) Moderne Techniken, wie etwa das einfrieren von vihtas, scheinen nicht zu funktionieren.

Obwohl ich gegen allgemeine Regeln bin, gibt es dennoch einige Regeln, die für jedermann zuzutreffen scheinen. Man sollte vor der Sauna nicht essen; sagen wir, etwa 1 1/2 - 2 Stunden, bevor man hineingeht. Das Schwitzen setzt sich noch ziemlich lange nach der Sauna fort, also sollte man sich nicht zu schnell wieder anziehen. Man fühlt sich besser in der Sauna, wenn man vorher etwas Jogging oder andere körperliche Übungen durchgeführt hat. In der Sauna selbst sollte man jedoch keine Gymnastik oder dergleichen treiben. Zum Beispiel der "Saunameister", der sein nasses Handtuch herumschleudert, sollte mit Mißmut bedacht werden, aber nicht mit Applaus. ("In der Sauna soll man sich benehmen wie in der Kirche" ist ein sehr altes finnisches Sprichwort.) Nach der Sauna kann man ein nettes Essen zu sich nehmen und sollte eine Menge Longdrinks zu sich nehmen, um die Körperflüssigkeit wieder zu ersetzen. Beachten Sie, daß die Sauna kein gutes Mittel ist, um abzunehmen: der Flüssigkeitsverlust ist nur vorübergehend. In kalten Klimaten sollte man versuchen, sich nach der ganzen Sauna-Zeremonie, das heißt also nach der letzten Sitzung im löyly-Raum, warm zu halten.

5. Wirkungen der Sauna.

Wir betrachten zunächst die gesundheitlichen Wirkungen. Von Zeit zu Zeit gibt es immer wieder großen Rummel um nachteilige gesundheit­liche Auswirkungen der Sauna. Meist hat dann ein schwedischer Arzt 20 Ratten in die Sauna geschickt und 20 andere draußen behalten. (Die ganze Idee klingt ziemlich wunderlich: Ratten in der Sauna!) Diejenigen, die in der Sauna waren, haben dann einen hohen Blutdruck oder schlechte Nieren- oder Leberwerte bekom­men, während diejenigen, die draußen geblieben sind, noch heute leben, wenn sie nicht gestorben sind. (A propos: Schweden ist eins der schlimmsten Länder auf der Welt für einen Besucher, der Saunas sucht und in der Tat auch eins der schlimmsten Länder, was die EATCS-Mitgliedschaft betrifft.)

Die Medizin ist zu großen Teilen eine experimentelle Wissenschaft. Es gibt nur wenige, vielleicht gar keine, Mechanismen, die man in Form von detaillierten L-Systemen versteht. Deshalb möchte ich das oben zitierte "20 Ratten drin, 20 Ratten draußen"-Experiment mit dem größten Massenexperiment in der Geschich­te der Medizin in Relation setzen: mehrere tausend Jahre lang ist praktisch jeder Finne mindestens einmal in der Woche in der Sauna gewesen. Es ließen sich keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit feststellen. Im Gegenteil: Finnland hat mehr olympische Medaillen pro Kopf der Bevölkerung als alle ande­ren Länder, es hat "unmögliche" Kriege überlebt und hat seinen ihm zustehenden Anteil an guten Künstlern und Wissenschaftlern hervorgebracht.

Statt der Ratten-Experimente ziehe ich selbst die zahlreichen alten finnischen Sprichwörter über die gesunden Wirkungen der Sauna vor, zum Beispiel: "Wenn Sauna, Alkohol und Teer Deine Krankheit nicht heilen, dann muß sie tödlich sein" oder "Wenn Deine Füße Dich zur Sauna tragen, dann tragen sie Dich sicher auch wieder heim".

Nach den gesundheitlichen Wirkungen diskutieren wir jetzt kurz noch einige der anderen Wirkungen der Sauna. Sauna ist ein Mittel, sich selbst zu reinigen. In der Tat ist es für einen Menschen wie mich schwer, sich nach irgendeinem anderen Typ von Bad wirklich sauber zu fühlen. "Leib und Seele werden rein in der Sauna" ist ein altes Sprichwort. "Ich war noch nie so sauber, seit ich geboren wurde, bemerkte einer meiner Besucher, W, nach drei Sauna-Bädern.

Viele Leute behaupten, daß die Nachwirkung in der Tat das Beste an der ganzen Sauna-Erfahrung ist: man fühlt sich so leicht und entspannt. "Eine Frau ist am schönsten eine Stunde nach der Sauna" ist ein altes Sprichwort. Ich selbst habe es oft erlebt, wie die Sauna "die Adern im Gehirn öffnet". Das ist uns häufig in der MSW-Gruppe so ergangen. Zum Beispiel einmal habe ich mit M ge­arbeitet. Wir kamen einfach nicht weiter. Alle Wege, die wir versucht hatten, hatten sich als Sackgassen herausgestellt, ja, schlimmer noch, wir merkten, daß einige unserer vorherigen grundlegenden Lemmas falsch waren. "Zeit für eine Sauna!" Nach der Sauna fing M an, wie ein Orakel zu reden und löste (fast) alle unsere Probleme. Ich hatte wirklich alle Hände voll zu tun, Notizen über das, was er sagte, anzufertigen. Sherlock Holmes spricht von "Drei-Pfeifen­-Problemen". Wir in der MSW-Gruppe sprechen statt dessen von "Drei-Sauna-Pro­blemen".

6. Bau und Unterhaltung einer Sauna.

Während die jeweiligen örtlichen Gegeben­heiten beim Bau einer Sauna immer in Betracht gezogen werden müssen, gibt es doch einige allgemeingültige Regeln, die ich hier gerne erwähnen möchte. Um es kurz zu machen, sind die am weitesten verbreiteten Fehler: (i) der kiuas ist zu klein, (ii) die Lüftung ist schlecht und (iii) es sind zu wenig Steine auf dem kiuas.

In der Tat ist (i) sogar in Finnland ziemlich verbreitet, aber es kann leicht behoben werden. Ich werde immer wahnsinnig, wenn ich eine "Direktoren-Sauna" mit einem luxuriösen Swimming-Pool und einem üppig ausgestatteten Sitz-Raum sehe, wo dann das Herz der Sauna, kiuas, eine miserable kleine Blechbüchse mit ein paar Steinen obendrauf ist. Es ist ulkig, daß die Leute plötzlich geizig werden, wenn es das Herz der Sauna betrifft (vielleicht 1% der Ausgaben für eine solche Direktoren-Sauna), während sonst das Geld keine Rolle zu spielen scheint. Ich war noch nie in einer Sauna, wo der Ofen zu groß war. Sie können keinen Fehler machen, wenn Sie einen etwas größeren Ofen als ursprünglich ge­plant einbauen lassen!

Mit der Lüftung ist es schon schwieriger. Es ist grundsätzlich besser, seine Sauna oberhalb der Erde zu haben als im Keller. Es ist gut, wenn man ein Fenster hat, das man zum löyly-Raum hin öffnen kann. Die modernen Lüftungssysteme sind meist nicht so gut wie die Anzeigen behaupten. Gute Lüftung ist nicht nur für eine gute löyly wichtig, sondern auch für die Instandhaltung der Sauna: der löyly-Raum sollte zwischen zwei Sauna-Abenden gründlich trocknen und die Platt­formen sollten von Zeit zu Zeit gewaschen werden.

Wenn der Ofen voll von Steinen in verschiedenen Lagen ist, dann erreicht das Wasser, das man auf ihn gießt, die heißesten Steine zuletzt. Das ergibt eine sanfte, reiche löyly, von der man spürt, daß sie von irgendwo ganz tief her kommt. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, als wenn nur ein paar Steine da sind. Genauso wie einige Leute eine Menge über ein Auto sagen können, wenn sie nur den Motor laufen hören, kann ich eine Menge über einen Ofen sagen, wenn ich nur das Geräusch höre, wenn man Wasser auf die Steine schüttet!

Die Plattformen können L-förmig, C-Förmig oder anders sein, je nach den per­sönlichen Interessen und Wünschen. Natürlich hängt die Form auch von der Größe des löyly-Raums ab. Die Höhe des Raums bestimmt, wie viele verschiedene Stufen von Plattformen es geben kann. Ein großer Mann sollte auf der obersten Platt­form immer noch gerade sitzen können.

Ich habe keine großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Holzarten fest­gestellt, die man zur Wandvertäfelung im löyly-Raum und für die Plattformen verwendet. (Allerdings weiß ich, daß manche Leute auch darum viel Aufhebens machen.) Jedenfalls sollten die Plattformen niemals angestrichen sein. Dann sind sie nämlich zu heiß, um darauf zu sitzen. Als Finnland nach dem letzten Krieg als Reparationsleistung Schiffe für Rußland zu bauen hatte, plante ein russischer Architekt die Saunas an Bord, und der wollte, daß die Plattformen mit Kupferblech verkleidet würden. Nachdem die erste Sauna fertiggestellt und angeheizt worden war, war er dann bereit, seine Meinung zu ändern.

Das Auswechseln der Sauna-Steine ist zweifellos das am meisten praxisbezogene NP-schwierige Problem. Wenn die löyly anfängt, sich sandig anzufühlen, dann sind die Steine verbraucht (insbesondere die unteren) und müssen ausgewechselt werden. Ich selbst tue dies zweimal jährlich. Zuerst entfernt man die alten Steine. Das kann in Echtzeit durchgeführt werden. Außerdem braucht man dazu keinen Speicherplatz: man wirft die Steine einfach weg. Dann hat man den Ofen wieder zu beladen, indem man Steine aus einem vorgegebenen Vorrat verwendet (den man entweder selbst gesammelt hat, so wie ich es tue, oder aber gekauft). Offensichtlich ist die eindimensionale Version dieses Problems das bekannte "Rucksack-Problem"; also ist das ganze Problem mit Sicherheit NP-schwierig. Seltsamerweise habe ich selbst immer das Problem der Stein-Entfernung (Echtzeit, kein Speicher) als schwieriger empfunden. Da frage ich mich manchmal, wozu die ganze Theorie gut ist.

7. Einige Sauna-Erfahrungen.

Die nachfolgenden von mir selbst gemachten Sauna­-Erfahrungen sollen dazu dienen, die Definition in Abschnitt 2 sowie einige der anderen Aussagen im vorangehenden nochmals zu erläutern.

a. Ottos steifes Bein. Eine der Saunas aus meiner Kindheit war eine riesige Rauch-Sauna auf einem Bauernhof, die für 30-40 Leute Platz bot. Jungen wie ich pflegten auf der unteren Plattform zu sitzen, der Dorfarzt, der Dentist, der Pfarrer, verschiedene Bauern und Arbeiter auf der oberen. (Beachte, daß es in der Sauna keine Klassenunterschiede gibt.) Einer der Arbeiter, Otto, hatte ein steifes Bein. Von Zeit zu Zeit verkündete Otto, daß er jetzt einmal löyly für sein steifes Bein machen wollte. Wir Jungen verließen dann immer unverzüglich alle den Raum, weil wir wußten, daß es dann selbst auf der unte­ren Plattform zu heiß wurde. Soweit ich weiß, blieb Ottos Bein trotzdem steif.

b. Salosauna. Meine Sauna in den vergangenen sechs Jahren heißt "Salosauna" (was soviel heißt wie "Sauna in der Wildnis" oder, abstrakter, "Ort des Friedens"). Es ist ein Holzhaus etwa 50 Kilometer von Turku, das um 1850 aus dicken Holz­balken erbaut wurde. Das Innere habe ich umgebaut, und es gibt jetzt außer dem löyly-Raum noch einen Waschraum und einen Sitzraum. Der Ofen wird durch Holz ständig beheizt.

Jeder wahre Sauna-Liebhaber hält seine eigene Sauna für die beste in der Welt. Ich kann ehrlich sagen, daß ich nirgendwo eine bessere löyly angetroffen habe als in der Salosauna (obwohl es vielleicht ein paar Saunas gibt, die in der selben Äquivalenzklasse liegen). Außerdem hatte ich auch das Vergnügen, viele angesehene Informatiker in der Salosauna zu Gast zu haben. Im letzten Februar kam der Große Bolgani nach Finnland, um die 500ste Anheizung der Salosauna zu feiern. Es war ein wunderbarer Sauna-Abend. Die Luft vor der Tür mit ihrer Temperatur von minus 25°C (und/oder der Schnee) war eine vollkommene Art der Abkühlung zwischen den Sitzungen in der löyly.

c. Heiße Saunas und Saunas in heißen Klimaten. Einige der heißesten Sauna­-Räume, die ich besucht habe, waren in Tallinn. In der Tat ist Estland das einzige Land, wo die Sauna Tradition fast genau wie in Finnland bewahrt wurde. Trotz­dem ist in den heutzutage elektrisch geheizten Stadtsaunas das Software-Erfor­dernis S2 nicht erfüllt, vielleicht, weil die elektrischen Anschlußdrähte nicht entsprechend isoliert sind. Andererseits sind die Räume auf fast 200°C aufge­heizt und da bin ich sicher, daß nur wenige Leute die löyly in ihnen vertragen können!

Die Finnen haben die Saunas überall hin mitgenommen, wohin sie auch kamen: Thunder Bay, Ontario, Hancock, Michigan, Nornalup, Australien usw. (Andererseits sind die Finnen ziemlich schlechte Geschäftsleute; merkwürdigerweise haben die Schweden den größten Marktanteil an Sauna-Produkten.) Natürlich trägt das kalte Klima in Finnland zur Beliebtheit der Sauna bei: man kommt sich darin wie im Paradies vor, wenn man den ganzen Tag draußen gearbeitet hat. Es gibt aber neuerdings auch verblüffend viele Saunas und "Saunas" in Ländern mit heißen Klimaten.

Die erste ICALP Tagung mit einer Sauna im Konferenzgebäude war die in Akko im letzten Sommer. Die Hardware-Erfordernisse H1 - H3 waren in bewundernswerter Weise erfüllt. Was S1 betrifft, gab es dann doch etwas komisches: Ich konnte einen der obersten Steine mit den bloßen Fingern anfassen und untersuchen! Die unteren Steine waren ziemlich heiß.

Eine der merkwürdigsten "Saunas" habe ich in Singapur gesehen. Der Raum war in kleine Abteile aufgespalten, die durch elektrische Drähte an den Wänden beheizt wurden. H2 und H3 waren also nicht erfüllt. (Trotzdem stand draußen in großen Buchstaben SAUNA drauf.) Der Ort erinnerte mich jedenfalls mehr an einen Brot-Toaster als an eine Sauna.

d. "Zum Aufguß" und "Altes Faßl". Sauna wird derzeit in Deutschland und Öster­reich sehr populär. Man schätzt, daß die Zahl der Saunas in Deutschland in nächster Zukunft die der Saunas in Finnland übersteigen wird. (Allerdings ist die deutsche Bevölkerung auch größer.) Meine normale Beobachtung öffentlicher Saunas in Deutschland ergibt dasselbe, was ich in Abschnitt 6 über die Direk­toren-Saunas gesagt habe: Alles mögliche ist üppig und luxuriös, aber bei der Auswahl des Herzens der Sauna, kiuas, werden die Leute dann über die Maßen geizig: Wieder diese miese kleine Blechbüchse! Außerdem ist S2 nicht erfüllt: entweder wird das Wasser automatisch zu jeder vollen Stunde aufgegossen oder ein Bursche läutet eine Glocke und schreit "Zum Aufguß!" Das Ergebnis ist, daß alle Leute gleichzeitig in den löyly-Raum gehen. Das ist dann zu viel für die kleine Blechbüchse: lauwarm ist das beste, was man haben kann. Es hilft auch nicht viel, daß der "Aufguß-Knabe" ein nasses Handtuch herumschleudert, womit er einem ab und zu sogar ins Gesicht schlägt. Es ist ein schwerer Verstoß gegen die Sauna-Tradition, irgendeine Art von Wind in einer Sauna hervorzuru­fen. "Nur Schlangen blasen in der Sauna" sagt ein altes Sprichwort.

Eine sehr erfrischende Ausnahme ist die öffentliche Sauna "Altes Faßl" bei Graz. Es ist die beste mir bekannte Sauna, die von einem Nicht-Finnen gebaut wurde. Alles, inklusive der Größe des Ofens, ist dort recht vernünftig.

e. Rentier-Erik - eine lebende Legende. Einige meiner denkwürdigsten Sauna­-Erlebnisse verdanke ich dem Großen Rentier-Erik (auf finnisch: Poro-Eero). Dieser harte Mann hat die meiste Zeit seiner 65 Lebensjahre nördlich des Polar­kreises verbracht. Er ist sehr gut im Rentier-Skifahren, das heißt, Skifahren, wobei man von einem Rentier gezogen wird. Er ist außerdem sehr geschickt im "Rentier-Beißen", das ist die Kastration des männlichen Tiers durch einen Biß.

Erik liebt extrem heiße löyly in der Sauna. Er ist ein kleiner drahtiger Bur­sche, genau der Typ, der von den finnischen Schriftstellern als der harte löyly­Freund beschrieben wird. Offensichtlich hat das biologische Wissen noch nicht den detaillierten Stand der L-Systeme erreicht. Das wurde mir klar, als Aristid Lindenmayer mir auf biologischer Basis ernsthaft klarzumachen versuchte, daß heiße löyly von dicken Leuten besser vertragen wird als von dünnen! Jeder Sauna­-Experte weiß, daß das Gegenteil der Fall ist. Und die wahren Meister sind klei­ne drahtige Typen. Wie Marathon-Läufer. Wie Rentier-Erik.

Aber im letzten Frühjahr, als ich Erik wiedertraf, hatte ich beschlossen, so lange in der Sauna zu bleiben wie er. Jedenfalls würde ich es versuchen. Na­türlich fiel kein Wort von einem Wettbewerb, niemals. Höchstwahrscheinlich wäre so etwas Erik nie in den Sinn gekommen. Die Sauna war schon extrem heiß, als wir eintraten. "Wir wollen es doch nicht lauwarm, oder?", sagte Erik, als wir die Sauna anheizten.

Als wir saßen, fing Erik an, über ein neueres Radio-Programm im finnischen Rundfunk zu sprechen, wo alle Concerti Grossi von Corelli gesendet worden waren. Eriks Kenntnisse in Musik, speziell Barockmusik, scheinen vollkommen fehl am Platz zu sein; man würde so etwas von einem Rentier-Mann nicht erwarten. Wir hatten eine lebhafte Diskussion über die Unterschiede in der Art, wie Corelli und Vivaldi Concerti Grosse schreiben. Von Zeit zu Zeit schüttete ich Wasser auf die rotglühenden Steine.

Erik sprach jetzt über seine Heimatstadt. Ich hörte nur noch zu. Ich fing an, die Hitze zu spüren. Die Sauna war ausgezeichnet; ich hatte keine Atemschwie­rigkeiten. Einige Teile meiner Haut, besonders die Ohren, fühlten sich an, als ob sie brennen würden. Aber ich erinnerte mich daran, daß die alten Leute sagten "Was trockenes Holz aushält, das hält deine Haut auch aus." Da ich sah, daß die Sauna noch nicht brannte, schüttete ich noch mehr Wasser auf die Steine.

Ich verwendete auch die ausgezeichnete vihta, die wir mitgebracht hatten. "Spä­ter vielleicht", war Eriks Antwort, als ich ihm sie anbot. Voller Verzweiflung schüttete ich noch mehr Wasser auf die Steine, während Erik von einem Besuch bei einem sehr bekannten Doktor in Helsinki erzählte. Dieser Doktor arbeitet in seinem Alter von 84 Jahren noch immer sehr hart. Als Erik ihn nach dem Ge­heimnis seiner ausgezeichneten Gesundheit gefragt hatte, hatte der Doktor geantwortet: "Es ist ein Geschenk, das man bei seiner Geburt bekommt. Alles andere, was die Leute sagen, ist Unsinn."

Aber jetzt hatte ich wirklich genug. "Ich glaube, ich sollte eine Weile hin­ausgehen." Erik antwortete nicht, obwohl es gut zu ihm gepaßt hätte, wenn er die klassischen Worte gesprochen hätte: "Gut, daß die Kinder hinausgehen; dann können die Erwachsenen endlich mit der Sauna anfangen!"

Statt dessen schüttete er den ganzen Eimer Wasser auf die Steine. Ich entkam noch gerade rechtzeitig aus dem löyly-Raum. Draußen hörte ich, wie Erik sich wie besessen mit der vihta schlug.

8. Fragen und Antworten.

Frage In welchem Alter gehen in Finnland die Kinder in die Sauna?

Antwort. Sie werden in der Sauna geboren. (Das ist allerdings heute nicht mehr ganz wahr. Trotzdem hat Finnland die kleinste Kindersterblichkeit auf der ganzen Welt.)

Frage. Ist Sauna gut für die Gesundheit?

Antwort. Wenn Sauna, Alkohol und Teer deine Krankheit nicht heilen, dann ist sie tödlich.

Frage. Was macht man denn mit dem Teer?

Antwort. Ich habe gehört, daß man sich die Brust damit einreibt. (Aller­dings ist das Teer, den man durch Verbrennen von Fichten und Kiefern erhält.) Andererseits war ich noch nie so krank, daß die beiden ersten Mittel nicht geholfen habe.

Frage.Wie heiß sollte ich meine Sauna heizen?

Antwort. Das hängt sehr stark von der Sauna ab. Für die Saunas, die ich gesehen habe, liegt die optimale Temperatur zwischen 50°C und 120°C. Die sehr niedrigen Temperaturen kommen nur für Rauch-Saunas in Frage.

Frage. Kann man nicht Metallstücke anstatt der Sauna-Steine verwenden? Die würden länger halten und deshalb hätte man nicht so oft das NP-schwierige Problem, die Sauna-Steine zu wechseln.

Antwort. Sauna-Steine müssen Steine sein. Wenn man Metallstücke verwendet, dann besteht ein sehr sichtbarer Unterschied darin, daß man die löyly sieht, was niemals passiert, wenn man Steine verwendet. Außerdem fühlt man den Unter­schied sicherlich, und das ist noch wichtiger!

Frage.Welche Art Steine soll man verwenden? Wo bekommt man sie her?

Antwort. Die Steine müssen hart sein und sollten beim Aufheizen keine Gerüche oder Dämpfe entwickeln. Man bekommt sie im Handel, aber man kann sie auch selbst sammeln, wobei man die Härte prüft, indem man zwei Steine anein­anderschlägt. In einigen Ländern, zum Beispiel Israel, habe ich keine brauch­baren, Sauna-Steine gesehen.

Frage.Welche Zweige soll man für die vihtas verwenden?

Antwort. Birke ist am gebräuchlichsten in Finnland. Man kann aber auch Eichenblätter und Wacholder nehmen. Den Wacholder muß man mit kochendem Wasser weichen. Um die "vihta-Eigenschaf ten" eines bestimmten Baums herauszufinden, muß man ihn selbst ausprobieren.

Frage. Kann man durch Sauna abnehmen?

Antwort. Nein. Man kann einige Kilos abnehmen (finnische Ringer und Boxer gehen oft zur Sauna vor dem Wiegen zu einem Wettkampf) aber der Gewichts­verlust ist nur vorübergehend. Sehen Sie einmal, wie dick ich bin!

Frage. Kann man in der Sauna Alkohol trinken?

Antwort. Das ist nur aus gesundheitlichen Gründen empfehlenswert (siehe oben) und dann auch nur nach der letzten Sitzung im löyly-Raum. Wenn man Sätze beweisen will, dann wird der Alkohol wahrscheinlich die Venen im Gehirn wieder schließen, die von der Sauna geöffnet worden sind.

An dieser Stelle möchte ich W, dem häufigsten Salosauna-Besucher unten den Informatikern, für viele Hinweise bezüglich der Darstellung herzlich danken.